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AG. Geige - die gewohnte Ungewöhnlichkeit !
AG. Geige, ein Multi - Media - Projekt ...
Sie traten in der Vergangenheit nur sporadisch live auf, daß es wenig überraschte, daß der Berliner Allendeclub gut gefüllt war, als die Arbeitsgemeinschaft Geige zu ihrer Show lud.
AG. Geige ist keine gewöhnliche Band, sondern vielmehr ein kreatives Multi - Media - Projekt. Ihre Avantgarde - Rock - Musik ist eine Kombination von Keyboard - Sample mit E - Gitarren - Riffs und surrealistischen deutschsprachigen Texten, die in markanten Sprechgesang umgesetzt werden. Weitere Mosaiksteinchen in der komplexen Kunst der AG. Geige sind ihre expressionistischen Filmcollagen, die während des Konzertes auf einer Leinwand neben der Bühne gezeigt werden. Diese Aufnahmen wurden genauso von den AG. Geige - Künstlern selbst gemacht wie ihre Kostüme und Masken, in denen sie sich skurril auf der Bühne bewegen.
Das Ganze mutet an wie eine intergalaktische Märchen - Show. Eine gewisse geistige Verwandschaft mit Laurie Anderson oder den Residents ist wohl kaum unverkennbar. Davon konnte man sich bei ihrem Konzert in Berlin wieder überzeugen. Sie präsentierten ihre gewohnt ungewöhnliche Performance - eine Gratwanderung zwischen Anspruchsvollem und Lustigem, mit der sie schon eine kleine, aber treue Fangemeinde um sich scharen konnten.
Nach mehreren Zugaben bestand endlich die Gelegenheit, mit den vier Geigen ins Gespräch zu kommen.
Die AG. Geige wurde 1986 in Karl - Marx - Stadt, dem heutigen Chemnitz, von vier Kunststudenten ins Leben gerufen. Die ursprüngliche Besetzung war Frank Bretschneider (Gitarre, Synthesizer), Ina Kummer (Synthesizer, Gesang), Jan Kummer (Gesang) und Torsten Eckhardt (Synthesizer). Von Anfang an war die Quelle ihres künstlerischen Wirkens ihre Kreativität, der aber durch die damals schlechten technischen Möglichkeiten Grenzen gesetzt waren. Frank Bretschneider betrieb eine Zeit lang ein kleines Kassettenlabel - KlangFarBe - auf dem neben Tapes der Magdalene Keibl Combo und anderer befreundeter Bands 1987 das erste AG. Geige - Werk "Yachtclub & Buchteln" veröffentlicht wurde.
Anfang 1989 folgte mit "Trickbeat" eine zweite Kassette. Nach vereinzelten Auftritten ermöglichte Lutz Schramm (Jugendradio DT 64, jetzt Rockradio B) ihnen erste Studioaufnahmen. Einstimmig bekennen sie, daß diese völlig mißlungen waren.
"Die Rundfunkaufnahmen von 'Kosmonauten', 'Scheusal', 'Fischleim' und den anderen Stücken klangen wie nachgemachte NDW. Das war uns richtiggehend peinlich, denn wir wollten eigentlich ganz andere Musik machen", bekennt Frank Bretschneider.
Auch mit ihrer ersten Plattenproduktion haderte die AG. Geige. "Trickbeat" (nicht identisch mit ihrer gleichnamigen Kassette) erschien 1989 beim DDR - Staatslabel Amica und vereinigte ihre bis dahin bekanntesten sowie eine neue Stücke.
1989 verließ Torsten Eckhardt die Band. Für ihn kam Olaf Bender. 1991 wurde die zweite LP/CD nachgeschoben: "Raabe ?" wurde im Drum - Tone - Studio in West - Berlin aufgenommen und beim Zensor veröffentlicht.
Frank Bretschneider meint zu ihren Aufnahmen: "Das Drum - Tone - Studio war zwar technisch bestens ausgestattet und der Ton - Ing./Produzent auch versiert, aber leider eben gegen Samples eingestellt, was für eine Band wie uns schwierig ist. Wir fanden unser DAT - Demoband eigentlich besser. Es entsprach mehr unseren Intention und war ungehobelter, eigenständiger." Nichtsdestotrotz ist "Raabe ?" ein durchaus gelungenes Werk und wesentlich reifer als ihre Demo - Tapes. Wer jedoch richtig kennenlernen will, muß ihre Show gesehen haben.
Leben können die Geigen von ihrer Musik nicht. Doch auch berufliche Probleme (Frank ist arbeitslos, Ina hat eine ABM - Stelle, Olaf macht eine Ausbildung und Jan hat seinen eigenen Plattenladen - KIOX - aufgemacht) haben ihnen noch nicht ihre Spielfreude genommen.
Inzwischen haben sie ein Promo - Video aufgenommen und wieder neue Songs eingespielt, die sie zum Teil auch schon live präsentierten. Bei Konzerten wollen sie in Zukunft weniger auf Synthesizer vorprogrammieren, um Improvisieren zu können und flexibler zu sein.
© Februar 1993, Zillo [Kay Manazon]
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