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Zapfendorfer Independent Days !
Konzertkritik Stadtzeitung Oberfranken 1990 ...
AG. Geige, als zweite Band des Abends, waren wohl die heimlichen Gewinner. Als Independentband aus der DDR hatten sie ohnehin schon Exotenbonus, ohne sich noch groß anstrengen zu müssen.Von diesen Lorbeeren erhoben sie sich aber zielsicher und schwebten ab in Sphären, die normalerweise nur Kultbands vorbehalten bleiben.
Selbst die Half Japanese als Headliner konnten da nicht mithalten.
Bizarr kostümiert, mit Unterstützung von 12 mm Filmcollagen, reproduzierten sie größtenteils Klangkonserven, denen nur noch ein paar Livetuper hinzugefügt wurden. Das erinnerte stark an die Arbeitsweise der NDR - Pioniere vom berühmt - berüchtigten Plan oder an die legendären Residents.
Textlich bewegte man sich auf der Post - DaDa - Ebene. Die Einflüsse dürften hier von Max Goldt und seinen Foyer des Arts bis zu Palais Schaumburg und Holger Hiller gereicht haben. Allerdings waren sie bissiger als die gerade angeführten, eher humoristisch veranlagten Pioniere der neuen deutschen Fröhlichkeit.
Zum Beispiel wurde da eine elektrische Gitarre immer gelber und gelber, bis sie schließlich zu einer elektrischen Riesenbanane mutierte. Daß es sich nicht um billige Anspielung auf die Bananenexpedition der frischge backenen Gesamtdeutschen Landsleute der Band aus Karl - Marx - Stadt gen West handelte, beweist schon das Enstehungsdatum des Liedes.
Apocalyptische Visionen wurden beschworen, in denen "das Essen die Kochtöpfe verläßt und in die öffentlichen Ämter eindringt". das zu deuten war dem durch die Bank erstaunten und begeisterten Publikum überlassen. Wie eine Herde aufgeschreckter Hühner stolperten die Klänge der 5 Musiker über die Bühne.
Elektronische Versatzstücke, monotone Sequenzerläufe (bis an die Nervengrenze), sporadisch hineingerührte Gitarrenriffs, für die nie mehr als zwei Finger erforderlich waren ziehlten haarscharf am Ohr vorbei und trafen damit voll ins Schwarze.
Un - Musik? Klangperformance? Pop für die 90er? Multimediales Ereignis? (um nicht zu sagen Avantgarde!) böten sich als griffige Etiketten an. Meine Naivität sei entschuldigt, aber ich fand sie schlicht und einfach lustig.
© Juli 1990, Stadtzeitung Oberfranken
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