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Musikszene Ost (Teil 2) !

AG. Geige ...

Ein Name, der bereits in der letzten Ausgabe auftauchte, ist der der AG. Geige aus Karl - Marx - Stadt. Die AG. Geige ist eine der wohl wichtigsten Vertreter der Karl - Marx - Städter "Szene", die sich durch eine Verknüpfung von künstlerischen Ausdrucksformen wie Malerei, Theater, Musik und Film auszeichnet.

So ist es nicht verwunderlich, daß es sich bei den Mitgliedern der Band allesamt um bildende Künstler handelt - eine Frau und drei Männer, die sich bei der Mitwirkung an einem Theaterstück kennengelernt haben. Alle hatten bereits mehr oder weniger Erfahrungen auf dem musikalischen Sektor gesammelt, so zum Beispiel bei Performances ihrer eigenen Ausstellungen.

Die Gruppe arbeitet mittlerweile drei Jahre zusammen, - in gleichbleibender Besetzung - unter dem Namen AG. Geige seit Mitte '86. Keiner aus der Band hat eine musikalische Ausbildung genossen, was eine positive Entwicklung begünstigte. Sie büßten nichts von ihrer musikalischen Originalität ein, indem sie irgendwelche Harmonielehren wie eine Eisenkugel am Bein hinter sich her schleiften.

Das hatte jedoch den Nachteil, daß die Einstufungskommision vor einige Probleme gestellt wurde, paßte ihre Musik in kein ihnen bekanntes Schema ihrer Namenspalette, die nur von Amateurtanzkapelle bis Rockband reicht.

Die Tatsache kann man jedoch keinem zum Vorwurf machen, da die Musik der AG. Geige nur schwer einzuschätzen und zu beurteilen ist. Sie erhielten eine "Anerkennung" der künstlerischen Qualität von Volkskollektiven", so die offizielle Bezeichnung ihres Spielberechtigungsausweises.

Wem das als musikalische Charakterisierung ausreicht, kann die folgenden Zeilen sparen. In ihren Songs stehen Musik und Text gleichwertig nebeneinander, live wird die ganze Sache abgerundet durch Dia - und Filmeinspielungen und durch selbstgemalte bunde tonnenförmige Kostüme. Daß die Band aus der Kunstszene kommt, fällt allerdings auch an der Konzeption der Songs auf.

In ihren Texten geht es um die fatalen Seiten des Lebens, die wegen ihrer Alltäglichkeit von vielen schon gar nicht mehr wahrgenommen werden. Alles ein bißchen überspitzt dargestellt und nicht ohne den nötigen Humor, der jedoch nichts ins Lächerliche ziehen will.

Es werden Momentaufnahmen aneinandergereiht, aus denen, mit Synthesizer und Gitarre unterlegt, ein musikalisches Daumenkino entsteht, welches entfernt an Musik von DER PLAN oder von den frühen RESIDENTS erinnert.

© 1988, Pop Noise [Demi & J.C]









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