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Knicke im hohen Hut!
Weit entfernt, auf der Geige zu spielen ...
... hat die Arbeitsgemeinschaft gleichen Namens überspannte Verhaltensweisen aufs Korn genommen. Kürzlich ging es hoch her im Jugendclub an der Markersdorfer Straße. Die Arbeitsgemeinschaft Geige hatte sich angesagt, und der Abend sollte zu einem Leckerbissen für sämtliche Freunde der etwas ungewöhnlichen Unterhaltung werden. Der Name täuscht nämlich: Es handelt sich weder um eine Arbeitsgemeinschaft noch ist unter dem Instrumentarium eine Geige vertreten. Junge Leute aus der Stadt, Frank, Thorsten, Ina und Jan, bezeichnen sich nicht als Musiker, sondern sehen sich viel eher als Aktions-Künstler. Alle vier sind Autodidakten, und sie meinen, dass das auch die Frische der Musik ausmache. Am genauesten träfe ihr Programm die Bezeichnung „Vielfältigkeits-Schau“. Übrigens ist eine bekannte Vertreterin dieser Richtung die namhafte Laura Anderson aus den USA. Während des Auftritts der Arbeitsgemeinschaft laufen selbst gestaltete 16-Millimeter-Farbfilme. Anhand von Dias werden Bilder beschrieben, die von den Mitgliedern stammen. Doch es bleibt kein trockenes Erklären, weil schöne Musik den Hintergrund bildet. Sehenswert sind ebenfalls die Bühnenkostüme, ergänzt durch erstaunliche Gesichtsmasken. Ansonsten gehören noch hohe Hüte dazu, die jedoch an der niedrigen Decke im Club scheitern. In leer anmutenden, überspannten Texten geht es um vollkommen Alltägliches. Beispielsweise um den Konsum an der Ecke. Andererseits entspringen die Texte aus der Fantasie. Die Zuschauer zwischen 14 und 40 erfreuen sich jedenfalls daran. Obwohl die Gruppe „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ ist, hat sie doch ihre Schwierigkeiten. Rührig dagegen ist der Rundfunk, der schon einige Titel gesendet hat. Am 15. Januar war man sogar schon im Palast der Republik zu Gast. Sicher ist eine solche Kunstform nicht jedermanns Sache, doch der kulturellen Landschaft tut sie gut.
© 1988, Sächsisches Tageblatt
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