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Die AG. Geige ist rundum zufrieden!

Die AG Geige aus Chemnitz ...

... scheint die einzige Band aus der Ex-DDR zu sein, die unter der musikalischen Wende nicht zu leiden hat. Sascha Zhien sprach mit der Aktiengesellschaft über die Vorteile der ökologischen Nische.

Die AG Geige ist rundum zufrieden. Grund genug hat sie, denn mit Zensor hat die Band ein kompetentes Label gefunden und auch live werden sie gut aufgenommen. Und dem Klagelied von Sandow, als „Ost-Band“ von der „West-Presse“ in der Luft zerrissen zu werden, können sie auch nicht einstimmen.
„Wir bewegen uns in einer Szene, die zwar sehr exklusiv aber ebenso loyal und aufgeschlossen „Neuem“ gegenüber ist. Für den relativ kleinen Kreis, den wir mit unserer Musik erreichen, scheint weniger die Herkunft der Band als vielmehr die Qualität der Musik zu zählen.“

Musikalisch gibt es durchaus Parallelen zu der Düsseldorfer ATA-TAK-Familie, denn wie bei vielen ATA-TAK-Künstlern scheinen auch die Texte der AG Geige auf den ersten Blick völlig banal – zu banal für den an tiefschürfende philosophische Überbauten gewöhnten Hörer zu sein. Und dabei ist es doch alles so einfach!

Die AG Geige stößt uns quasi mit der Nase auf die Aussage, die von Metaphern und poetischen Formulierungen weitgehend verschont so offen daliegt, dass wir sie nicht erkennen: „Leider heißt die Zukunft / Leder das ist Macht / Wohlstand will viel Leder / Leder ist ’ne Pracht“ (aus „Ich glauben“).
Neben solch allgemeiner Gesellschaftskritik finden sich bei der AG Geige aber auch Anspielungen auf die eigene DDR Vergangenheit und unterschwellige Regimekritik: Da wird plötzlich ein Postbeamter zum Stasi-Spitzel, der fremde Post studiert („Zwischen den Zeilen“) und auf „Yachtclub“, die „Marlboro der DDR“, für die man „gern alles hergibt“, wird eine Laudatio gehalten („Yachtclub und Buchteln“).

Trotz der für den querdenkerfeindlichen DDR-Musikbetrieb wohl recht seltsam anmutenden Musik der AG Geige wurde die Debüt-LP „Trickbeat“ noch auf AMIGA veröffentlicht.

„Man fand nichts Anstößiges oder gar Staatsfeindliches an unserer Musik und so hatten wir keine Probleme, unsere Produkte zu veröffentlichen.“ Beeinflusst wurde die AG allerdings maßgeblich von „westlicher“ Avantgarde. „Es gab natürlich keine Möglichkeit, die Platten, die uns interessierten, in der DDR zu kaufen, und so haben wir mit Freunden Kassetten ausgetauscht und überspielt und diese, weil man nicht jeden Tag etwas Neues in die Finger bekam, extensiv und aufmerksam gehört.“

Und man hört, dass sie sorgfältig zugehört haben, denn ebenso sorgfältig ist auch ihre Musik arrangiert. Vor allem dadurch, dass die Erhältlichkeit neuer Produkte limitiert war, gab es auch keine durch Überfluss bedingte Kurzlebigkeit einer Platte, wie es hierzulande Usus war und ist.

Bleibt zu hoffen, dass sich die AG Geige diese Intensität bewahren kann und nicht auch von der musikalischen Wegwerfmentalität befallen wird.

© 1992, EB/METRONOM Nr. 40 – Oktober/November [Sascha Zhien]









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