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Wer steckt hinter AG. Geige?

CineVideo Mai 91' Karlsruhe ...

Die k?nstlerische Gruppierung AG GEIGE aus Karl-Marx-Stadt (!) ist deshalb schon ein Ph?nomen, weil die wenigsten wissen, wer eigentlich hinter dem Namen der AG GEIGE steckt. Selbstaussagen zur Person, zu pers?nlichen Sympathien usw., wenn ?berhaupt ge?u?ert, stiften eher Verwirrung, als dass sie erhellen wollen. In der Musikszene sind sie bekannt. Behaftet mit dem Renommee, kauzige Au?enseiter zu sein, sind sie gerade, weil sie deutschsprachige Texte verwenden, die vielleicht eigenst?ndigste Erfindung in der DDR au?erhalb des englischsprachigen Mainstreams. Sie beg?ttern inmitten der Auftritte wie undurchschaubare, schwebende Kugelblitze im Verteilen von ?Zeychen und Wunder? (Songtitel) das Publikum. Als unbestrittene Kultband sind sie so bekannt und gesch?tzt, dass sie immerhin einen guten Ruf verlieren k?nnen. (...)

Beim Spielen auf der B?hne vertrauen die vier Karl-Marx-St?dter, meist verkleidet wie bei einem Kost?mfest, auf den Einsatz technischer Polster, welche einen kreativen Grundteppich liefern. Zudem bedienen sie Tasteninstrumente und die Gitarre. Die damit gestalteten Synchronit?tsversuche von Bild und Ton, unterst?tzt von Computer-Hard- und ?Software und die eingeblendeten 16mm-Filme bilden ein System, das durch die universelle Verf?gbarkeit der elektronischen Ger?tschaften jenseits der manuellen Professionalit?t den N?hrboden ?berraschender Originalit?t hervorbringt. Die lebenden Bilder auf der B?hne, die sich in die geheimnisvollen ?Klimper-Pattern? verstricken, versinken in eine schwankende optische Halbwertzeit. Der manipulierte Rhythmus schl?gt die Bilder der Wahrnehmung bewusstlos. Was bleibt, ohne zu wissen warum, ist ein angenehmes oder unangenehmes Grundgef?hl. (Kunstforum, Bd. 109, ?Bilder aus der DDR?)

Wie eine Herde aufgeschreckter H?hner stolperten die Kl?nge der 5 Musiker ?ber die B?hne. Elektronische Versatzst?cke, monotone Sequenzerl?ufe (bis an die Nervgrenze), sporadisch hineinger?hrte Gitarrenriffs, f?r die nie mehr als zwei Finger erforderlich waren, zielten haarscharf am Ohr vorbei und trafen damit voll ins Schwarze. Un-Musik? Klangperformance? Pop f?r die 90er? Multimediales Ereignis? (um nicht zu sagen Avantgarde!) b?ten sich als griffige Etiketten an. Meine Naivit?t sei entschuldigt, aber ich fand sie schlicht und einfach lustig. (Statt-Zeitung Oberfranken, Juni 1990, Bericht von den Zapfendorfer Independent Days).

Zehn Tips zum Texten
Texte m?ssen im Kopf geboren werden.
Texte d?rfen unter keinen Umst?nden auf pers?nlichem Erleben bzw. Erlebtem basieren.
Texte m?ssen einen hohen Prozentsatz fremden Gedankenguts enthalten.
Texte d?rfen keine Pointen, Aufl?sungen, etc. haben.
Texte m?ssen sich reimen oder wenigstens artifiziell sein.
Texte m?ssen anfechtbar sein: moralisch, grammatikalisch, k?nstlerisch.
Texte m?ssen verst?ndlich sein.
Texte m?ssen gen?gend Spiel-Raum bieten.
Texte m?ssen verunsichern.
Texte m?ssen zum Tanz anregen, mindestens zum Meditieren.
(AG GEIGE)

© 1991, CineVideo Mai









zurück Version 3.1 - © 2013 AG. Geige - Stand 01. März 2013 Druckversion dieser Seite Email an AG. Geige Impressum