


|
AG Geige "Raabe ?" Zensor/SPV!
Plattenkritik NMI ’91 ...
Frau Rattenscharf, was die angeheiratete Ische unseres Hausmeisters ist, hat neulich ihre Kaffee-Büchse umgestoßen und herumfliegende Krümel stoben in den Lüftungsschlitz ihres Küchenmultimixers, welcher daraufhin seinen Geist aufgab, was wiederum Frau Rattenscharf dazu bewegte, die Frage nach der Herkunft ihres Kaffees nachhaltig zu stellen, worauf sie leider keine Antwort bekam, bis auf das fürchterliche Krächzen ihres kleinen Multis, der durch die Betätigen der Löschtaste im Nichts des Raumes verschwand. Schlimm.
Klein Fritzchen, ein nicht auf den Mund gefallener, typisch sächsischer Knabe im zarten Alter von sieben Jahren gewann jüngst die Trickbeat-Tanz-Wettbewerbe und erhielt zur Auszeichnung dieser Leistung einen größeren Stapel Zeitschriften, deren Artikel ausschließlich mit Informationen, die man zwischen den Zeilen lesen konnte, gefüllt waren, was dem lieben Fritzchen sehr gefiel, denn er war schon lange einer Initiative beigetreten, die zur Re-Rückbennung der Stadt Chemnitz in Karl-Marx-Stadt gegründet worden war und wenig später von Amts wegen aufgelöst werden sollte, wogegen sich viele Initiativen gründeten, die dann mit dem Amt einen Hammerfrieden schlossen.
Bubu, halt’s Maul, ich schreib einen Artikel!
Mit der AG Geige ist’s ein wenig wie mit der Roboterweise, deren Los bereits vor langer Zeit Stanislaw Lem beklagte, denn sie, die AG Geige, hat nach der Wende die Grundlagen ihrer Arbeit, die Geigen und Schellen gegen wild hämmernde Computer eingetauscht, welche den südostdeutschen Künstlern einen gar wilden Klang verleihen, der drauf schließen lässt, dass die Erreichung des hehren Ziels „Wohlstand für alle“ lange noch nicht real sein wird. Schade. Die Platte ist sehr schön.
© 1991, Plattenkritik NMI [Dolores Kräher]
|



|