


|
Konzertankündigung in Tip 1990!
Saitensprung mit AG Geige ...
Sandow wurde im letztjährigen „ Parocktikum“ – Poll zur Band des Jahres gekürt und die AG Geige zur Gruppe mit dem besten Bühnen – Image!
Diesen Aufstieg haben die Karl-Marx-Städter Geigen relativ schnell geschafft. Frank Bretschneider, der Kopf der Band, begann Anfang der 80er mit Klang – Installationen und experimentellen Toncollagen; inspiriert wurde er dabei von Bands wie Throbbing Gristle und Psychic TV.
Daraus entwickelte sich sein Kassettenlabel „KlangFarbe“, das experimentelle Musik veröffentlichte und vertrieb, was nach DDR – recht eindeutig illegal war.
Ab 1985 arbeiteten Frank, Jan, Ina und Torsten Eckhardt dann als AG Geige zusammen. Ihre ersten Auftritte zu Vernissagen gerieten allerdings noch dilettantisch und chaotisch. Ein Jahr später legten sie ihr erstes Tape „Yachtclub und Buchteln“ vor, das sich reißend verkaufte.
Die Geige hatte Einladungen zur Bid 1988 und 89’, durfte aber nicht kommen., da ihnen die intoleranten, Karl-Marx-Städter Kultur Bürokraten diese Auftritte im Westen verwehrten. Die konnten sowieso nie verstehen, was für eine seltsame Combo da in ihrer Stadt agierte und stuften sie als „Volkskunstkollektiv von ausgezeichneter Qualität“ ein.
Die AG Geige ist weit mehr als eine Rock - Band. Die Mitglieder verstehen sich eher als Künstler, denn sie sind Musiker, Maler und Grafiker mit eigenen Ausstellungen, entwickeln ihr komplettes Band – Design und treten in selbst entworfenen Fantasy – Kostümen auf.
Zu ihren Titeln zeigen sie videoclipartige 16 – Millimeter – Filme, die ihren Trickbeat visuell verstärken. Das reicht von Bacon – ähnlichen Bildwelten über skurrile Übermalungen bis hin zu harten, schnellen Foto – Schnitten. Da liegt schon mal ne alte Pizza am Bahnhof rum oder wächst eine Totemtrompete aus dem Moos.
Das Beste aber sind ihre Texte, obskur – abstruse Comic – Lyrics, die assoziative Bildwelten im Kopf entstehen lassen. Denn die Geige schaut nicht auf die blinkende Oberfläche der Welt, sondern hinter die Kulissen des Grinsens und Grauens. Dazu flimmert und pulsiert ihr elektrischer Trickbeat aus Computern und verfremdeter Gitarre.
Es ist eine fremde, seltsame Welt. Ihre erste LP ist soeben bei Amica erschienen.
© 1990, Tip [Ronald Galenza]
|



|