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Vage Absonderlichkeiten in einer leeren Welt!
„Von Fröschen und Träumen“ – AG. Geige als Buch ...
Die Texte der AG. Geige nehmen sich größtenteils wie ein Lehrstück über die Leere aus, die scheinbar ausnahmslos den Fetischen des postmodernen Zeitalters innewohnt.
Wie das Quartett auf etwas so Absonderliches gekommen ist? Man gibt sich geheimnisvoll, weil sich die Rätsel der Worte und Bilder nicht lösen lassen, und schafft eine Aura, die dem Mythos einer Kultband kaum nachsteht.
Das hat seinen Reiz. Das Ensemble erscheint permanent anders, als man es erwarten sollte. Seine Kunst hat keine artikulierbare Botschaft, sein Text keinen eindeutig bestimmbaren Sinngehalt.
Wenn auch mitunter die Bemühung erkennbar wird, die eigene ART als etwas nie Dagewesenes zu popularisieren, für Absolventen des germanistischen Fachbereichs ist sie allemal ein Genuss. Nebenbei erfahren wir, dass Vorwort-Autor Hans Brinkmann mindestens ebenso gern die Strugatzkis liest wie die Künstlerschaft selbst.
Es wird ein wenig herumgejandelt („Fleichtöpfe“) – wie sollte es anders sein. Dann gib es Lieder, an denen das Wichtigste die Fußnote ist (Im Isländischen: Zweite Haut als Umschreibung für Frau/Freundin) oder welche, die bruchstückhaft zusammengesetzt aus der Ordnung zum Chaos führen. Da begegnen dem Leser harmlose Reimpaare, die für eine katastrophale Situation missbraucht werden, und auch faustische Monologe mit düster futuristischen Visionen fehlen nicht.
All das stammt von den beiden bisher erschienenen Tonträgern von dem frühen „Yachtclub & Buchteln“ aus eigener Produktion einmal abgesehen. Als Beigabe fungieren die exzessiven Bilder von Frank Bretschneider nebst ausführlicher Bildbetrachtung. Um Benennungen ist da keiner nicht verlegen. Der Lapsus einer „o.T.“ wäre bei AG. Geige wohl ohnehin mit dem Ausschluss aus der Band geahndet worden.
Herausgegeben hat das Buch ein neudeutscher Kleinstverlag namens Weisser Stein in Greiz. Zweifellos ging es dabei in erster Linie um den Erhalt ostdeutschen Nationalerbes. Die Herzenswünsche, ein Kosmonaut, ein Kaufhaus, ein Flugzeug sein zu wollen, sind schließlich in erster Instanz hinlänglich bekannten Entbehrungserscheinungen anzulasten.
Ein Versuch, diese Vergangenheit zu bewältigen, lässt sich durchaus erkennen, sie war ohnehin „ ...erbaut aus Zeitpapier, Goldbronze, Stahlbeton, aus Hammerfrieden, Spielzeuggeld“ („Perfekte Welt“). Außerdem im Angebot: Jede Menge Parodien. Weder Zarah Leander noch Bettina Wegener, weder Volks noch Kampflied sind davor sicher.
Ein Verlegenheitsfimmel oder wahre Kunst? Wer AG. Geige gelesen hat, weiß es besser. Solche Fragen sind längst gegenstandslos.
© 1992, Buchbesprechnung Sächsische Zeitung [Cornelia Resik]
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